Haus der Kunst Preis 2007

Mit ihren Skulpturen “gobal, while I was sleeping I” und “global, while I was sleeping II” spricht die Münchner Künstlerin Tatjana Busch Globalisierung und die sich daraus für uns alle ergebene Situation an. Unsere Welt wird scheinbar immer kleiner. Das führt dazu, dass die einzelne Nationalität nicht mehr so im Vordergrund steht, wie noch vor etwa 20 Jahren. Europa ist ein vermeintlich vereintes Land mit vielen Nationen, das sich, noch mit einigen Ausnahmen, den Euro als Währung teilt. Der Einigkeit entgegen stehen unter anderem Tatsachen wie die eigene Sprache jedes einzelnen Landes, die eigenen Nationalhymnen und allen voran die Nationalfahnen.
Busch hat sich der Ikonografie der Flaggen angenommen,
sie durch ihr Medium Skulptur hinterfragt und von der
Fahnenstange auf den Boden geholt.

Wann ist eine Flagge noch eine Flagge?

Sind es nur Farben in verschiedenen Zusammenstellungen?

Was symbolisiert sie heute noch?

Und wie die Titel andeuten, muss man vielleicht auch fragen, ob und wann denn diese Verschmelzung der Identitäten, der Nationen stattgefunden hat? Während wir schliefen? Im Traum?

Bezeichnenderweise hat Tatjana Busch diese zwei ‚Fahnen’ Skulpturen, mit fast identischen Titeln, gegenübergestellt. Trotz ihres gewählten Materials, Aluminium, haben sie eine fließende Form, sie suggerieren Bewegung, scheinen sich zueinander zu neigen, wie es zwei Menschen tun würden, die miteinander im Gespräch sind. Sie haben etwas Geisterhaftes, das in einer konkreten und beständigen Form verewigt wurde. Die grellen und proportionierten Farben der Länder scheinen sich zu einem globalen Konglomerat vereinen zu wollen. Dennoch sind sie auf ihre Weise separat, so wie Akzente und Mundarten immer noch etwas eigentümlich eigenständiges sind.

 

Chris Dercon, Julien Lorz, Haus der Kunst, München, 2007