Objekte, Tatjana Busch
Auszug der Einf√ľhrungsrede von Dr. Antje Lechleiter

Sehr geehrte Damen und Herren,

‚ÄěEs war einmal ein Quadrat, ein Kreis, ein Dreieck und ein Rechteck und die Lust auf Farbe und das Spiel mit Formen‚Äú

Dieses Zitat von Tatjana Busch klingt nach Bauhaus und in der Tat f√ľhlt sich die K√ľnstlerin mit dem deutschen Bauhausgedanken, dem russischen Suprematismus und der niederl√§ndischen De stijl Bewegung, also dem Neoplastizismus verbunden. Besonders die ber√ľhmten Quadrate von Josef Albers, seine Studien √ľber die Wechselwirkung von Farbe, aber auch Malewitchs ‚Äěschwarzes Quadrat‚Äú scheinen hier auf. Aber was macht Tatjana Busch mit diesen Ikonen der klassischen Moderne: Sie zerknittert sie und macht aus etwas Klarem, Pr√§zisem, Geometrischem etwas Bewegtes, Spielerisches, Barockes. W√§ren diese Werke in den 80er Jahren entstanden, h√§tten sie sich durch das ‚ÄěAnything goes‚Äú der Postmoderne erkl√§rt. Man h√§tte angenommen, dass die K√ľnstlerin mit historischen Zitaten, Ironisierung, Appropriation und Subjektivit√§t gegen die rationalen Formen einer dogmatisch erstarrten Moderne rebelliert. Dies alles trifft nicht auf Tatjana Busch zu, denn sie hat es nicht n√∂tig, sich durch eine theoretisch untermauerte Kunst von etwas zu befreien. Statt dessen sagt sie: ‚ÄěEs k√∂nnte so sein und auch anders….‚Äú, es gibt keinen Widerspruch und auch keinen ironisch gemeinten Widerspruch zwischen dem Geometrischen und dem Verformten, dem Minimalistischen und dem Barocken, dem Festen und dem Leichten.

So spielt auch der Zufall eine große Rolle und die Suche nach Formen und Farben ist ein intuitiver Prozess.

Ausgangspunkt sind quadratische, rechteckige oder auch runde Aluminiumplatten, die durch klare, leuchtende Acrylfarben mit geometrischen Feldern, meist Streifen oder Gitterstrukturen bemalt werden. Dann werden diese Platten zu dreidimensionalen Körpern gebogen und erhalten damit eine Leichtigkeit, eine Ausdrucksvielfalt, die man nur faszinierend nennen kann.

Die Raum- und Lichtsituation spielt nun eine wichtige Rolle, beobachten Sie, wie sich die gestreifte Skulptur auf dem Balkon um das Gel√§nger schmiegt, oder wie sich dieses Objekt √ľber den Sockel faltet. Durch die Aufst√ľlpung ihres zweidimensionalen Grundes werden die Farben aus ihren urspr√ľnglichen Positionen katapultiert und gehen eine Vielzahl von neuen Beziehungen ein. Je nach Lichteinfall und Betrachterstandpunkt leuchten sie auf und verst√§rken sich, treten zur√ľck und verdunkeln, reiben sich an- und spreizen sich auseinander. Tatjana Busch √ľberl√§sst es uns, was wir damit assoziieren wollen.

Ein Lichtgewitter, Schrott, weggeworfene Bonbonpapiere in gigantischer Größe, wir bekommen das, was wir sehen.

Zu dieser F√ľlle braucht Tatjana Busch einen Ausgleich und so arbeitet sie nicht nur an farbigen Arbeiten. Die Idee, mit Licht als Energieform zu experimentieren, hat sie zu offenen, moir√©artig flie√üenden Werken aus Edelstahlgittern gef√ľhrt.

Diese ‚ÄěLichtst√ľcke‚Äú l√∂sen sich von der Materie und verk√∂rpern eher so etwas wie einen Gedanken.

Ich habe bereits angesprochen, dass die Gestaltung der Arbeiten spielerisch und ohne Konzept entsteht. Interessanterweise tritt dennoch sowohl das Prinzip des Goldenen Schnittes als auch Leonardo da Vincis Körperproportionsschema, das sich mehrere hundert Jahre später auch in Le Corbusiers Modulor findet, immer wieder in Erscheinung. Und nicht nur diese Form von Gesetzmäßigkeit wohnt Tatjana Buschs aufgeworfenen Aluminiumplatten inne. Es gibt Skulpturen, in denen sich Grundtöne gefunden haben und die wie Instrumente gespielt werden können. Diese Synthese einer intuitiv gefundenen Form und der mathematischen Struktur von Musik hebt nicht nur Gattungsgrenzen auf. Sie zeigt auch, dass Tatjana Busch nach dem Lichten und Dichten strebt und das Feste im Sinne von Festgelegtem meidet.